everything is better than doomscrolling

Vor einiger Zeit war meine Mutter zum Essen bei mir. Ich habe gekocht und als das Essen fertig war, fing sie an, den Tisch zu decken. Sie machte meine Besteckschublade auf und fragte mich mit der selbstverständlichsten Selbstverständlichkeit: „Mit welcher Gabel möchtest du essen?“. Ich habe sie wohl gut erzogen.

Besteck scheint in der Neurodiversitätsbubble ein Ding zu sein. Ich weiß nicht wieso. Vielleicht, weil es sich richtig anfühlen muss? Und weil sich Besteck auch tatsächlich falsch anfühlen kann? Oder ist es die Routine, dass DIESER Löffel IMMER der Kaffeelöffel ist? Ich habe keine Ahnung, aber ich fühle das Problem.

Der große Löffel, bei dem der Griff etwas zu stark gebogen ist? Bitte, wie falsch kann sich etwas anfühlen? Der kleine Löffel mit der weniger scharfen Kante für eine Kiwi, sodass einem dann alles an der Hand herunterläuft? Nicht mit mir! Salat? Die Gabel mit den besonders spitzen Zacken. Schweres Besteck? Unangenehm. Sehr dünne Griffe? Ürghs. Manchmal variiert es auch nach Tagesform. Heute habe ich mal Lust auf DIESEN Löffel! Und dann macht er das Essen einfach noch viel besser. Genau so, wie der falsche Löffel der ganzen Ess-Erfahrung ein paar Punkte abzieht.

Normal, oder?

Auf jeden Fall habe ich ein Zine darüber gemacht. Es heißt ✨ Spoons ✨ und so sieht es aus:

Eine Hand hält das Mini-Zine. Auf dem Cover: mittig ein freigestellter Löffel, drumherum im Halbkreis "SPOONS" aus Buchstabenperlen, unterer Halbkreis mit Schmucksteinen
Offenes Zine: Links ein Esslöffel mit breitem tropfenförmigem Löffelblatt (JOGHURT). Rechts ein Esslöffel mit gleichmäßig ovalem Löffelblatt (MITTAG). Beide mit reliefartig strukturiertem DDR-Retro-Griff.
Offenes Zine: Linke Gabel hat vier sehr lange, schmale und streng parallel verlaufende Zinken mit flachen Spitzen (MITTAG). Die rechte Gabel ist schmaler und hat spitzere Zinken (SALAT).
Zwei kleine Löffel horizontal angeordnet. Oben: Löffelblatt mit klassisch ovaler, gleichmäßiger Eiform, glatter Griff mit Relief (KAFFEE). Unten: Löffelblatt schmaler und läuft nach vorne hin leicht spitz zu, mit elegantem Stil (EI).
Rückseite mit freigestelltem Messer: Klinge in klassischer Form eines Brötchenmessers (gerade). Buchstabenperlen: ALLES.

(Das Messer ist dreckig, weil ich es am liebsten einfach immer benutze. Es ist eigentlich ein Brötchenmesser, aber für alles richtig gut!)

Beschreibungen

Das Zine war schnell gemacht. Die große Herausforderung waren diesmal die Alt-Texte. Ich versehe meine Bilder mit Alternativtexten, damit die Hilfstechnologie von blinden oder sehbehinderte Menschen die Bilder „vorlesen“ kann. Normalerweise lasse ich mich dabei von Gemini unterstützen. Das ist übrigens die einzige Stelle, für die ich KI nutze. Normalerweise klappt das gut, da Bilder gut erkannt und beschrieben werden können (auch wenn ich meistens doch was ändere, weil mir irgendwas nicht passt).

Bei diesem Projekt hat das aber überhaupt nicht funktioniert, denn: Was genau ist mir an diesem Bild vom Besteck eigentlich wichtig zu erwähnen und wie unterscheidet es sich vom nächsten? Außerdem gibt es dann noch empfohlene Maximal-Längen vom Alt-Text und so weiter. Das Ergebnis klingt dann ungefähr so: „Zwei kleine Löffel horizontal angeordnet. Oben: Löffelblatt mit klassisch ovaler, gleichmäßiger Eiform, glatter Griff mit Relief (KAFFEE). Unten: Löffelblatt schmaler und läuft nach vorne hin leicht spitz zu, mit elegantem Stil (EI).“.

Und jetzt fühle ich mich wie ein totaler Löffel-Nerd.


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