Vorhin bin ich mit dem Staubsauger durch die Wohnung gehirscht und habe dabei über Kopfhörer einen Podcast gehört. Als darin das Wort Cyanotypie fiel, fiel mir mein Entwurf für diesen Beitrag wieder ein – denn endlich ist es Zeit dafür. Ich habe Cyanotypie im letzten Sommer ausprobiert und wollte nicht im Herbst und Winter darüber berichten, wenn sowieso keine Sonne scheint. Denn die braucht man unbedingt.
Drucken mit Sonne
Im Frühjahr habe ich durch Zufall in einem Laden ein Cyanotypie-Kit gesehen. Ich hatte noch nie davon gehört, aber kurz gesagt kann man Umrisse von Objekten mit Sonne auf Papier drucken. Hä? Ja! Wie toll ist das denn? Ich habe mich direkt vor meinem inneren Auge in Dänemark umherlaufen sehen, auf der Suche nach Strandgut von meinem Lieblingsstrand, das ich mit der dänischen Sonne im Urlaub aufs Papier drucken kann. Da kam ich also nicht dran vorbei.
Naja und bevor ich es ausprobieren konnte, habe ich ein zweites Kit gekauft, denn es könnte ja Spaß machen.

Wie entsteht der Druck?
Chemie. Da ich noch nie gut in Chemie war, wird das eine sehr grobe Beschreibung. Das Papier ist mit einer Lösung bestrichen, die lichtempfindlich ist. Die Objekte auf dem Papier verhindern, dass überall Sonne auf das Papier trifft. Wo Sonne auf das Papier trifft, färbt es sich blau. Das Motiv selbst bleibt hell, denn dort kommt keine – oder weniger – Sonne auf das Papier.
Erste Schritte mit Cyanotypie
Mit einem fertigen Cyanotypie-Kit ist es ganz einfach, den Sonnendruck auszuprobieren. Das ist praktisch, denn bevor ich etwas besser lerne, möchte ich es gern erstmal sofort machen – und zwar instant mit einem guten Ergebnis. Die Dopaminrezeptoren möchten gefüttert werden.
Für Fortgeschrittene gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, wie man das Papier selbst mit der Lösung behandelt, UV Lampen nutzt oder sogar Foto-Negative druckt.
Benötigtes Material:
- Ein Cyanotypie Kit (enthält schon fertig behandeltes Papier)
- Gegenstände, die als Motiv verwendet werden können (z.B. gepresste Pflanzen)
- Sonne
- Wasser zum Abspülen
- Ort zum Trocknen im Innenraum
Schritt für Schritt Anleitung:
- Motiv auf das Cyanotypie-Papier legen.
- Darauf achten, dass alles so flach wie möglich auf dem Papier liegt.
- Das Motiv mit einer PVC, Acryl- oder Glasplatte abdecken (meist im Kit enthalten).
- In die Sonne legen, ca. für 5-10 Minuten.
- Dann alles entfernen und das belichtete Papier mehrere Minuten im Wasser abspülen.
- Zum Trocknen an einem eher dunklen Ort im Innenraum aufhängen.

Das ging alles schief
Einfach anzufangen, ohne viel Ahnung zu haben, bedeutet euch: eine steile Lernkurve. Denn es geht natürlich am Anfang einiges schief, bevor man weiß, was man tut.
Fehler 1: Papier nach dem Belichten zu kurz abgewaschen.
Wenn die Lösung nicht gut genug abgewaschen wird, verblasst der Druck und hat wenig Kontrast. Das Papier sollte schon so etwa 5 Minuten im Wasserbad schwimmen. Ja, das Papier hält das aus – habe ich auch nicht erwartet.
Fehler 2: Fertigen Druck draußen auf der Wäscheleine getrocknet.
Das sieht richtig schön idyllisch aus fürs Foto, aber durch das Draußen-Licht belichtet das Papier nach und der Druck verblasst. Vorallem, wenn man es vorher nicht gut genug abgewaschen hat. Später habe ich die Drucke in einer dunklen Ecke im Haus getrocknet und das Ergebnis war viel kontrastreicher.

Fehler 3: Zu lange in der Sonne gelassen
Sonnendrucke können überbelichten. Details sind dann nicht mehr zu erkennen. Man muss ein wenig rumprobieren. Je nach Vorgabe des Herstellers, dem Wetter (pralle Sonne, leicht bewölkt) oder auch dem Motiv (völlig licht-undurchlässig wie Muscheln oder feine Struktur wie Blätter) braucht man mehr oder weniger Zeit.
Es lohnt sich, am Anfang die Papiere zu teilen oder zu vierteln und damit verschiedene Zeiten auszuprobieren. Dann versaut man nicht gleich alles und hat dann kein Papier mehr.
Fehler 4: Falsche Papierseite benutzt
Ok das hat mich wirklich vor ein Rätsel gestellt. Ich hatte zwei verschiedene Ausführungen: einmal blauer Druck auf weißem Papier und einmal blauer Druck auf pinkem Papier. Bei dem pinken Papier war einfach gar kein Druck sichtbar, egal wie lange es in der Sonne lag. Bis ich rausgefunden habe, woran es liegt, hat es eine Weile gedauert. Ich habe das Papier falsch rum in die Sonne gelegt und natürlich funktioniert das nicht, wenn die Seite mit der Lösung nicht nach oben zeigt…
Fehler 5: Der Wind hat alles weggeweht
Lösung: Ich habe dann die Folie über dem Motiv mit durchsichtigem Klebeband festgeklebt – das war nach dem Drucken nicht zu sehen.
Das Motiv vs. der Druck

(oben) Weil die Sonne nachmittags seitlich aufs Papier scheint, entstehen neue Formen durch den Schattenwurf.

(oben) Die Pflanzen habe ich vorher einen Tag lang gepresst, damit sie schön flach sind.

(oben) Hier habe ich die Zeit in der Sonne verkürzt, damit es nicht so stark belichtet. Bei der großen Blüte sind sogar Details in den Blütenblättern zu erkennen.
Fazit: Cyanotypie mit einem DIY Kit macht Spaß und ist mal eine andere Art, um Urlaubserinnerungen festzuhalten. Bonus: Für ungeduldige Menschen wie mich ist es eine gute Art, den Perfektionismus kurz zu vergessen und einfach ein bisschen rumzuspielen.

