Manchmal höre ich ein Lied und irgendwas darin macht mit mir, dass ich es immer wieder hören will. Oft ist es eine unerklärbare Stimmung, die es in mir auslöst. Nicht unbedingt positiv, aber irgendwie doch sehr einnehmend. Das Lied läuft dann gut und gerne mal ein paar Tage ohne Unterbrechung in Dauerschleife. Wenn Spotify mir am Ende des Jahres sagt, was meine meistgehörten Lieder sind, bin ich oft verwundert, weil ich „das doch im Januar mal gehört habe“ und dann nie wieder – aber scheinbar oft genug.
Diese ganze Sache ist irgendwie schwer greifbar und ich habe sehr lange recherchiert über diese Melancholie- und Nostalgie-Gefühle im Zusammenhang mit Musik und warum einige Menschen nicht mehr aufhören können, ein und dasselbe Lied zu hören. Ich habe Worte kennengelernt, die ich noch nie vorher gehört habe, wie Hiraeth (wales.com) und Anemoia (The Dictionary of obscure sorrows). Es ist komplex. 😅 Und obwohl ich überhaupt keine Freundin von abstrakten poetischen Texten bin – sag es eindeutig und gib mir Fakten, bitte – ist es bei diesem Thema das einzige, was richtig funktioniert, um diese schwammigen Gefühle annähernd rüberzubringen. Eine echte Herausforderung für mich.

ich drücke auf repeat. nicht dreimal, nicht zehnmal. tagelang. die wiederholung hat struktur. 100% vorhersehbar. eine direkte verbindung zum nervensystem.
gefühle ohne sozialen kontext. feste muster.

maximale tiefe.
das gehirn gewöhnt sich an diese künstliche intensität. ein phantomschmerz nach einer welt, die es so nicht gibt.
der übergang in die realität ist schwere arbeit fürs gehirn. die botenstoffe sinken.
die realität wirkt plötzlich trivial. ich bin überfordert. mein abendbrot ist kein soundtrack-moment.
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